Vor langer langer Zeit...

wurde ein Kornspeicher und ein Gutshof im Dorf Gehlenbeck gebaut.
Und auch heute stehen diese Ursprungsbauten noch auf dem Grundstück Zwischenstr. 5.

Um Ihnen zu zeigen, was der Ursprung des Hofes ist und wie er zu dem geworden ist, was er heute ist, möchten wir Ihnen die Geschichte erzählen.
Eines nehmen wir gleich vorweg: die lange und ereignisreiche Geschichte des Hofes hat uns dazu inspiriert, ein Mehrgenerationenwohnen zu realisieren. Wo wäre dies besser möglich als an einem Ort, an dem sich die Familienmitglieder über viele Generationen hinweg immer beistanden und sich gegenseitig unterstützten? Wo viele verschiedene Menschen wohnten und wo Alt und Jung nicht nebeneinander sondern miteinander wohnten?

1600

1637

von Klenke

Den von Klenkes gehört das Rittergut Renkhausen in Gehlenbeck. Als Ritterfamilie besitzt Rittmeister Ernst Hironymus von Klenke auch ein freies Gut als Erbgut. Dieses ist der mitten im Dorf gelegene Grevenhof.

Der Grevenhof war damals eine dauernde Pertinenz des Ritterguts Renkhausen, welcher ein mittelalterlicher Edelsitz war. Der Hof wurde ursprünglich wohl von Beamten des Bischofs von Minden bewirtschaftet.

Zum mit einer hohen Bruchsteinmauer umfassten damaligen Grevenhof gehörte auch der heute noch existente Kornspeicher, von dem Wohnen am Kornspeicher seinen Namen hat. Dieser wurde circa im 15. Jahrhundert aus Bruchsteinen erbaut und ist nach dem Kirchturm das zweitälteste Gebäude in Gehlenbeck. Das zweigeschossige Gebäude zeugt von einer langen und wechselvollen Geschichte des Hofes und erfüllte verschiedene Funktionen. So wurde er als Wehrspeicher und als Zufluchtsstätte für die Hofgemeinschaft genutzt. Dicke Mauern und Schießscharten ermöglichten es den Bewohnern, sich vor Feinden in Sicherheit zu bringen.  Aus diesem Grund gab es auch einen Wohnraum in der ersten Etage und sogar ein Backofen war vorhanden.

Später diente der Kornspeicher als tatsächlicher Kornspeicher und war damit Depot und Ablageor für den Steuerzins, auch Zehnt genannt. Davon zeugt auch ein Seilaufzug.

 

1659

Hermann Gorthumb

Im Jahr 1659 verkaufte Rittmeister von Klenke den Grevenhof an den Gehlenbecker Rittmeister und Dorfvogt Hermann Gorthumb.

Nachdem 1682 Rittmeister Gorthumb verstirbt, geht der Grevenhof an seine Witwe. Daraufhin strebte der Vetter von Klenkes (von dem Gorthumb den Hof einst erwarb) einen Prozess gegen die Witwe an, um an den Hof zu gelangen. Ernst Hironymus von Klenke tritt jedoch namenhaft für die Witwe ein und bittet die Regierung, den Hof bei ihr zu belassen. Dies bestätigte daraufhin die Regierung und der Hof verblieb in der Gorthumb’schen Familie.

Der Kaufkontrakt aus dem Jahr 1659 ist bis heute im Besitz der vorherigen Eigentümerfamilie Pohlmann.

1700

um 1700 und 1748

Gelshorn und Rentmeister Fincken

Um 1700 war Gerhardt Jean Gelshorn, Kgl. Pr. Amtsschreiber zu Reineberg Besitzer, der den Hof an einen gewissen Krieger verkaufte.

Wie genau Gelshorn den Hof gekommen ist, ist leider nicht mehr nachvollziehbar.

Sicher ist jedoch: 1748 kaufte Rentmeister Fincken den öffentlich zum Verkauf gebotenen Gelshorn’schen jetzt Krieger’schen Hof zum vierten und letzten Gebot für 2005 Thaler.

1754

Vom Grevenhof zum Pohlmannshof

Der Grevenhof wird 1754 zum Pohlmannshof, als Conrad Friedrich Pohlmann den Besitz für 2200 Thaler ersteht.

Die Original-Quittung über diesen Kauf existiert noch heute.

Conrad Friedrich Pohlmann war Müller des Hauses Gut Hollwinkel bei Alswede und kannte Rentmeister Fincken über seinen Vater. So erfuhr er von dem Verkauf des Grevenhofes und erstand diesen für 2200 Thaler. Er hatte fünf Kinder: drei Mädchen und zwei Jungen.

Christian Friedrich war der älteste Sohn und damit Nachfolger im Besitz. Er bekam den Hof am 06. Mai 1776 überschrieben, da sein Vater gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, den Hof zu führen. Christian Friedrich verdiente seinen Lebensunterhalt zu diesem Zeitpunkt als Soldat und musste beim Landrat um die vorzeitige Entlassung aus dem Militärdienst bitten. Nachdem ihm die Entlassung gewährt wurde, trat er die offizielle Nachfolge an.

Bereits 1774 heiratete Christian Friedrich Maria Elisabeth Niedringhaus mit der er fünf Kinder hatte:

  • Johann Friedrich *1779 †1786
  • Heinrich Wilhelm *1782 †1862
  • Luise Charlotte *1785 †?
  • Charlotte Luise *1788 †1794
  • Friedrich Wilhelm *?

Die 1815 und 1821 verstorbenen Eheleute sind in der Kirche zu Gehlenbeck im Erbbegräbnis vor dem Altar beigesetzt.

1800

1805

Heinrich Wilhelm Pohlmann wird Besitzer

1805 wurde Heinrich Wilhelm von seinem Vater mit Margarethe Charlotte Boeker verheiratet. Zugleich wird dem jungen Paar der Hof überschrieben.

Als Nachfolger im Besitz kümmerte Heinrich Wilhelm sich nun um die Fortführung des Hofes. Mit Margarethe Charlotte hatte er acht Kinder, wovon nicht alle das erste Lebensjahr vollendeten. Der älteste Sohn war Christian Friedrich, welcher am 08.09.1810 geboren wurde und damit Nachfolger im Besitz war.

1816 sah der Besitz von Heinrich Wilhelm Pohlmann folgendermaßen aus: 24 Morgen Ackerland, 7 Morgen Holz und 21 Morgen Wiesen. Er war ein geschickter Landwirt, der den Hof durch Zukauf vergrößerte und die Erträge vermehrte.

1839

Christian Friedrich übernimmt den Hof

Da sein Vater aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, tritt Christian Friedrich Pohlmann 1839 die Nachfolge an und vergrößert den Besitz auf 83 Morgen.

Christian Friedrich Pohlmann, geboren am 08. September 1810 ehelichte im Juni 1834 Luise Halwe. Aus der Ehe stammen sieben Kinder; der erste Sohn und damit Nachfolger im Besitz wird 1846 geboren: Heinrich Friedrich Wilhelm.

Christian Friedrich war ein belesener Mann, der mit den vornehmsten und einflussreichsten Familien des Kreises Lübbecke in Verbindung stand. Als Ratsmitglied und Vorsteher der Gemeinde Gehlenbeck sorgte er lange Jahre für das Wohl des Dorfes. Seine Lebensaufgabe sah er in den täglichen Pflichten eines Landwirts. Er war ein Mann des frommen Volkes und nahm seine Verantwortung in der politischen und kirchlichen Gemiende nicht nur zu Gunsten der bäuerlichen Oberschicht, sondern auch fürsorglich – wie er es verstand – im Sinne der gesamten Bevölkerung wahr.

Da seine Ehefrau bereits im Dezember 1869 starb, führte seine unverheiratete vierte Tochter Maria Dorothee Charlotte ihm den Haushalt. Gewissenshalber regelte er sodann sein Erbe und bestimmte seinen Sohn Colon Heinrich Friedrich Wilhelm zum Universalerben.

1871

Das Herrenhaus wird gebaut

Im Jahr 1871 heiratet Hoferbe Heinrich Friedrich Wilhelm die schönste und reichste Braut im Dorfe Charlotte Bruning.

Diese brachte einen großen Brautschatz und Land mit in die Ehe, welches den Hof vermehrte. Vom Vater Christian Friedrich bekommt das Paar die Erlaubnis, ein neues, für damalige Verhältnisse großzügiges und schönes Wohnhaus zu bauen. In diesem Haus lebte der Vater noch zehn Jahre mit Sohn, Schwiegertochter und Enkelkindern.

Heinrich Friedrich war ein religiöser Mensch, der im kirchlichen Gemeindeleben eine bedeutende Rolle gespielt hat. Sein glänzender Hof, der durch seine Heirat wesentlich vermehrt wurde, gestattete ihm manchen Luxus und seine hübsche Frau wusste dem inzwischen neu errichtetem, komfortablen Haus einen vornehmen Anstrich zu geben.

Aus der Ehe von Heinrich Friedrich Wilhelm und Charlotte gehen vier Kinder hervor. Nachfolger im Besitz ist Ernst Heinrich Wilhelm, geboren am 27. Oktober 1877.

1900

Wilhelm Pohlmann und Anna Kanning

Wilhelm Pohlmann blieb auf dem elterlichen Hof und bewirtschaftete diesen weiter. Er leistete in Hannover seine Militärzeit ab und besuchte die landwirtschaftliche Winterschule in Minden.

Am 12. Mai 1910 heiratete Wilhelm Anna Kanning aus Stemmern. Fast genau drei Jahre später kam die einzige Tocher des Paares, Emmy Pohlmann, am 18. Mai 1913 zur Welt.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, musste Heinrich Pohlmann den Hof für viereinhalb Jahre wieder selbst leiten, da sein Sohn Wilhelm in den Krieg musste. Eigentlich hatte dieser den Hof bereits vom Vater übernommen. Zur Freude aller kehrte Wilhelm wohlbehalten aus dem Krieg zurück und konnte seinen Vater ablösen, der kurze Zeit später, am 20. Juli 1919 starb.

Mit großen Anstrengungen aller Familienangehörigen wurden die starken Auflagen für Naturalienabgaben in den ersten Nachkriegsjahren gemeistert. Bald konnte der Hof unter Wilhelms geschickter Führung wieder an die seiner Größe entsprechenden Vorkriegserträge anknüpfen.

Die darauf folgenden Jahre der Geldentwertung und Weltwirtschaftskrise setzen der Landwirtschaft besonders zu. Durch geschicktes Taktieren, intensive Nutzung von Moor, Wald und Marktnischen und dem Zukauf von Ackerflächen um die Rentabilität zu steigern, versuchte Wilhelm Pohlmann der allgemeinwirtschaftlichen Talfahrt entgegenzuwirken.

Trotz der schlechten Wirtschaftslage wurde auf die Ausbildung der einzigen Tocher Emmy viel Wert gelegt. In Gehlenbeck war sie die erste Frau, die einen Führerschein hatte und ein eigenes Auto fuhr. In dieser Zeit wurde der Pohlmannshof außerdem Aubildungs- und Lehrbetrieb.

Emmy Pohlmann war eine „gute Partie“ und hatte das damals übliche Heiratsalter erreicht. 1939 lernte sie Friedrich Brüggemann kennen, der Jurist in der Landwirtschaftskammer Münster in Lübbecke war. Da die Rekrutierung Emmys als Schwesternhelferin weges des nahenden Krieges bevorstand, und man sich der Dienstverpflichtung nur durch Heirat und eine eigene Familie entziehen konnte, läuteten im November 1940 die Hochzeitsglocken.

Das Paar bekommt vier Kinder: Luise Anna Wilhelmine (genannt Liesel), Ilse, Wilhelm und Charlotte.

Der zweite Weltkrieg

Die inzwischen etablierte NSDAP hat in den ländlich-konservativen Kreisen überdurchschnittlichen Zulauf. Eines der vorrangigen Wahlversprechen war, dass „der deutsche Bauer gerettet werden müsse„. So bedurfte es keine großen Anstrengungen um einen Großteil der ländlichen Bevölkerung für Hitlers Pläne zu begeistern.

Während des Krieges galt der Pohlmannshof als Vorzeigebetrieb und musste Vorbild für andere Betriebe sein. Bis Kriegsende 1945 übte Wilhelm Pohlmann das Amt des Bürgermeisters von Gehlenbeck aus und sorgte dafür, dass keinerlei Verfolgungen und Bestrafungen von politisch Andersdenkenden erfolgt sind. Zudem setzte er sich dafür ein, dass Gehlenbeck beim Einmarsch der alliierten Truppen nicht verteidigt wurde und somit unnützes Blutvergießen verhindert werden konnte.

In den Wirrungen der Nachkriegszeit wird Wilhelm Pohlmann als Kriegsverbrecher verhaftet und der Pohlmannshof der Kontrolle eines Treuhänders übergeben. Das gesamte Dorf kämpfte mit der Familie darum, dass Wilhelm freigesprochen und aus der Haft entlassen wird, da sich alle seiner Unschuld sicher waren. Nachdem ein Gnadengesuch 1949 endlich bewilligt wurde, kehrte er im März 1949 nach Hause zurück.

Er verbrachte einen schönen Lebensabend, unternahm förderliche Kuraufenthalte mit seiner Frau Anna und erfreut sich an seinen Enkelkindern. 1958 starb seine Frau, der er 1960 im Alter von 83 Jahren folgte. Mit seinem Tod verließ der letzte männliche Hofbesitzer mit dem Namen Pohlmann den alten Familiensitz.

Emmy Pohlmann

Der Betrieb wude durch den aus dem Krieg zurückgekehrten Schwiegersohn Fritz und seine Frau Emmy geführt.

Die Veränderungen in der Gesellschaft und vor allem in der Landwirtschaft betrafen auch den Pohlmannshof. Durch die vollständige Mechanisierung auf dem Acker und im Stall mussten hohe Investitionen getätigt werden, die teilweise mit dem Verkauf von Land finanziert wurden.

Das alte Wohnhaus war fast 90 Jahre nach siener Errichtung und überaus starker Nutzung vor allem in den Nachkriegsjahren stark renovierungsbedürftig. Um- und Anbauten an den Wirtschaftsgebäuden hatten stets Vorrang. 1960 wurde wegen Durchfeuchtung die hofseitige Giebelwand entfernt und nach Beseitigung baulicher Mängel neu errichtet, Fundamente wurden trocken gelegt und verzichtbae Bauteile auf den Giebelwänden entfernt. Da in den Nachkriegsjahren zwangsweise Flüchtlinge in dem großen Haus einquartiert waren, konnten die Umbauarbeiten erst getätigt werden, als die letzten Flüchtlinge das Haus verlassen hatten. Trotz der Renovierung blieb das nur teilweise beheizbare Haus besonders im Winter für die Bewohner feucht und kalt. Erst viel später konnte dieser Zustand durch den Einbau einer modernen Zentralheizung mit Warmwasserversorgung beseitigt werden.

In den darauf folgenden Jahren wurden verschiedene Möglichkeiten ausgelotet, den Hof rentabel zu bewirtschaften. Die Lage änderte sich allerdings mit dem Tod des Hoferben Wilhelm am 31. Juli 1972. Dadurch, dass die Töchter bereits eigene Hausstände teilweise weit weg von Gehlenbeck hatten und der Hoferbe tot war, entschlossen sich Emmy und Fritz Brüggemann dazu, die Fortführung des Betriebes aufzugeben.

Es reiften die Pläne zum Bau eines neuen Wohnhauses nach zeitgemäßen Vorstellungen. Im November 1973 kann nach kurzer Planungs- und Bauzeit das neue Haus bezogen werden.

Auch Tochter Charlotte hat ihren Anteil am folgenden Umbau: nach ihrer Heirat kehrt sie mit ihrem Mann auf den elterlichen Hof zurück und kümmert sich unter anderem um den Ausbau der oberen Etage des alten Wohnhauses, die vermietet werden soll.

1979 unternimmt das Ehepaar Brüggemann eine letzte gemeinsame Reise zur Tochter nach Kaarst. Im nachfolgenden Jahr stirbt Fritz und hinterlässt eine große Lücke.

Die folgenden Jahre erfreut Emmy sich an ihren Enkelkindern und sogar einigen Urenkelkindern.

Im Jahr 2003 stirbt sie im Alter von 89 Jahren. Mit ihrem Tod endet eine Ära auf dem Pohlmannshof.

2000

2019

Heute

Im Jahr 2019 erwirbt die Westerfeld Grundstücks GbR den ehemaligen Pohlmannshof samt historischem Kornspeicher.

Wichtig ist, dass der ursprüngliche Charakter des Hofes erhalten bleiben soll und an die lange Zeit der Bewirtschaftung durch die Familie Pohlmann erinnert werden soll.

Nicht zuletzt aus diesem Grund soll auf dem Grundstück ein Mehrgenerationenhaus entstehen. Denn aus der langen und ereignisreichen Familiengeschichte kann ganz klar abgeleitet werden, dass die Bewohner des Hofes sich immer halfen und einander unterstützen. Diese Tradition soll mit Wohnen am Kornspeicher fortgeführt werden.